Der wahrhaft unterirdische Teil der Modellbahn

Für den Besucher ist der größte Teil der Modellbahn nicht sichtbar. Er befindet sich im Untergrund, quasi im Schatten der Anlage. Deshalb spricht der Modellbahner auch vom Schattenbahnhof.

Wozu dient ein Schattenbahnhof? Wenn auf der Anlage nicht immerfort dieselben Züge fahren sollen, braucht man eine Parkmöglichkeit, von der aus man immer wieder andere Züge abrufen kann. Und auf unserer Anlage kommen immerhin bis zu 1800 Fahrzeuge zum Einsatz.

Dieser riesige Parkplatz soll auf der Anlage nicht zu sehen sein und würde ja auch den meisten Platz beanspruchen. Oben wollen wir doch eine wirklichkeitsnahe Landschaft und realistischen Betrieb zeigen. Daher verstauen wir die Züge unter der Anlage "im Schatten".

Wie sieht so ein Schattenbahnhof aus? Zunächst einmal wird der Abgang der Züge von der Oberfläche kaschiert, meist indem der Zug in einen Tunnel fährt. Unten fährt er dann meist in eine "Gleisharfe" ein (siehe Skizze unten), also in ein Abstellgleis, das über Weichen angesteuert wird. Am Ende der Gleisharfe werden dann alle Abstellgleise wieder zusammengeführt. Welcher Zug als nächstes ausfahren soll, kann dann individuell geregelt werden. Auf der Märklin-Strecke wird dieses Prinzip an beiden Streckenenden angewendet.

Bei der Dampf- und der Elok-Strecke Anlage ist dieses Vorgehen nicht möglich, da wir viel zu viele Fahrzeuge einsetzen. Unsere drei Schattenbahnhöfe ähneln einer mehrstöckigen Tiefgarage, deren einzelne Stockwerke über "Wendeln", also spiralförmig angelegte Steigungsstrecken, erreicht werden. Anders als in der Tiefgarage können die Züge aber nicht in jeder Etage einen eigenen Parkplatz ansteuern, sondern fahren brav hintereinander erst bis zu sechs Stockwerke in die Tiefe und dann wieder nach oben. Dadurch dauert es aber so lange, bis ein Zug wieder oben auf der Anlage erscheint, dass er den allermeisten Zuschauern als völlig neuer Zug erscheint. Immerhin können wir auf der Elok-Strecke zweigleisig in den Schattenbahnhof hinunter fahren, was für etwas mehr Flexibilitäat sorgt.

Die Fahrt durch den Schattenbahnhof geschieht automatisch mit Hilfe einer Blocksteuerung. Die Züge fahren also immer von einem Streckenabschnitt (Block) in den nächsten, sofern dieser frei ist. Wenn also oben ein Zug auf die Anlage hinaus fährt, kann der nachfolgende Zug um einen Block vorrücken und seinen Block wiederum für den nächsten Zug frei machen. Dadurch werden Auffahrunfälle ausgeschlossen (sofern nicht mechanische Probleme auftauchen wie zum Beispiel unbeabsichtige Entkupplungen oder Entgleisungen).

Damit im Falle einer Störung im Schattenbahnhof nicht der gesamte Betrieb ins Stocken gerät, gibt es ein Umfahrungsgleis, über das die Züge auf kürzestem Wege wieder nach draußen kommen. Die müssen dann nicht mehr sämtliche Etagen runter und wieder rauf fahren. Die Umfahrung kann man auch einsetzen, um bestimmte Züge öfters auf die Anlage zu lassen. Dann ist die Umfahrung praktisch ein Überholgleis.

Ansonsten sind unsere Schattenbahnhöfe wegen der sehr niedrigen Raumhöhe nur in stark gebückter Haltung zu erreichen und somit sehr geeignet für Kreuzschmerzen, Beulen und andere Kopfverletzungen. Zu empfehlen sind Knieschoner und Helme. (Aber das ist zum Beispiel in Hamburg auch nicht anders.)

Schema einer Gleisharfe

Die Wendel in Modell und Vorbild

Die Wendel ist eine Möglichkeit, Höhenunterschiede auf engem Raum zu überwinden. Die Bilder zeigen eine kleine Wendel der Schmalspurbahn Mariental - Maria Eck. Die verläuft ebenso im Tunnel wie die meisten Wendeln in der Wirklichkeit. Das dritte Bild zeigt die Einfahrt in einen solchen Spiraltunnel auf der Albula-Bahn in Graubünden (Schweiz). Nach der Ausfahrt aus dem Tunnel überquert der Allegra-Zug den nächsten Viadukt "eine Etage höher". Ebenfalls in der Schweiz findet man bei Brusio auf der Berninabahn statt eines Spiraltunnels eine offene Wendel mit Hilfe einer Brücke.